Das Märchen der SVE und die Realität 

Die Doppel-Rolle der Familie Holzer rückt in den Fokus 

Mit Start in die neue Spielzeit ist die SV 07 Elversberg der 59.Verein der Bundesliga-Geschichte. 


Zur Wahrheit gehört: Ein klassisches Fußball-Märchen ist der Bundesliga-Aufstieg nicht. Hinter der SV Elversberg steht ein Pharmaunternehmen aus dem Saarland: die Ursapharm Arzneimittel GmbH mit Sitz in Saarbrücken. Das Unternehmen erzielte 2023 einen Umsatz von 350,3 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 950 Mitarbeiter. Ursapharm ist Marktführer in der Ophthalmologie, also der Augenheilkunde. Die bekannteste Produktreihe heißt Hylo – ein Augentropfen, der in deutschen Apotheken zum Standardsortiment gehört.

Die Anfänge der Zusammenarbeit
Frank Holzer übernahm den Verein 1990, als dieser Letzter der Landesliga Nordost war, 800.000 D-Mark Schulden hatte und nicht einmal eine Tribüne besaß. Alles was danach kam, auch mit Frank Holzer in den unterschiedlichsten Funktionen, ist mittlerweile schon fast vergessen. In Krisenzeiten übernahm Holzer Senior zweimal selbst als Trainer, war Präsident und ist seit der Saison 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrats. Nachfolger als Präsident wurde 2011 sein Sohn Dominik.

Ursapharm ist allgegenwärtig
Das Pharmaunternehmen Ursapharm ist Hauptsponsor der SV Elversberg und Firmenchef Frank Holzer der Club-Boss. Das Unternehmen ist Hauptsponsor, Namensgeber des Stadions und seit Jahrzehnten die wichtigste Einnahmequelle des Vereins. Der Zweitliga-Etat lag dem Vernehmen nach zuletzt bei rund 10 Millionen Euro – einer der niedrigsten der gesamten Liga. Der Kaderwert betrug 25,2 Millionen Euro. Ohne Ursapharm wäre dieser Aufstieg wirtschaftlich nicht abbildbar gewesen. Die Frage, wie man das Verhältnis zwischen Ursapharm und der SV Elversberg nennen soll, ist keine rhetorische Kleinigkeit. Sie entscheidet darüber, welche Regeln gelten und welche Interessen im Vordergrund stehen. Trifft die Familie Holzer Entscheidungen im Sinne des Vereins – oder im Sinne des Unternehmens? Und wer soll das von außen überhaupt kontrollieren? Böse Stimmen behaupten, in der Poststr. 43, in St.Ingbert würde kein Pfund Kaffeebohnen ohne das Abnicken aus der Firmenzentrale angeschafft. Dies mag in der Tat etwas zugespitzt formuliert sein, aber bildet dennoch das Gesamtbild ab. 


Seniorchef Holzer sieht sich nicht als Investor
Frank Holzer selbst lehnt den Begriff des Investors ab. In einem Interview mit der „Saarbrücker Zeitung“ zog er die Parallele zum 1. FC Heidenheim – einem Verein, der am Ende der Saison 2022/23 ohne Großinvestor in die Bundesliga aufstieg. Der Vergleich ist nicht falsch. Die SV Elversberg hat im gesamten letzten Jahrzehnt nicht einmal 1,5 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben. Leihgaben, Ausbildungstransfers und Vertragsverlängerungen mit eigenen Spielern prägen das sportliche Modell. Dennoch ist die Konstruktion keine reine Mäzensituation. Ursapharm nutzt den Verein als Marketingplattform. Das ist legitim – aber es ist auch eine Form von Einfluss.

Schwieriger Spagat in der Struktur
Der eigentliche Kern der Einflussfrage liegt in der Personalstruktur. Frank Holzer, Jahrgang 1953, ist Aufsichtsratsvorsitzender der SV Elversberg. Gleichzeitig ist er Geschäftsführer von Ursapharm, gemeinsam mit Sohn Dominik, der als Vereinspräsident agiert. Verein und Unternehmen werden hier von denselben Personen geführt.

Das ermöglicht kurze Entscheidungswege. Sponsoring-Verlängerungen, Stadionnamensrecht und Vereinsstrategie werden am Familientisch beschlossen. Für den sportlichen Aufbau war  und ist dies von Vorteil. 


Wie funktioniert 50+1 unter diesen Umständen? 

Für Außenstehende wirft die Konstruktion jedoch Fragen auf: Wer kontrolliert wen, wenn dieselbe Familie sowohl den Geldgeber als auch den Empfänger führt? Wer als Unternehmen einen Verein finanziert, der ihn umgekehrt als Markentransporteur nutzt, muss die Verträge sauber dokumentieren. Mit dem Bundesliga-Aufstieg rücken die SVE-Finanzen näher an in die journalistische und behördliche Aufmerksamkeit. Die Doppelrolle der Holzers muss revisionssicher abgebildet sein, ansonsten drohen DFL-Auflagen oder Steuerprüfungen mit möglichen Reputationsfolgen. Auch kommen plötzlich Netzwerke, wie zum Beispiel die Verbindung zur Madera Beteiligungen GmbH oder zur Madera Arena & Event GmbH, unter das Brennglas. Hier geht es dann auch um die Besitzverhältnisse rund um die Spielstätte des SV 07 Elversberg. 

All dies wird man transparent darstellen müssen, will man den guten Ruf, den man sich zweifellos erarbeitet hat, nicht gefährden.

Content: Michael Kaiser vom 17.07.2026 
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